LehramtsstudentInnen aus Regensburg mit Offenem Brief ans Kultusministerium

Sie hatten wenig Möglichkeit zu lernen. So empfinden rund 1.400 ExamenskandidatInnen aus ganz Bayern. Auch hier in Regensburg litten die LehramtsstudentInnen in der Corona-Krise.  Denn genau in dieser Zeit sollten sie eigentlich ihr Staatsexamen ablegen. Abgesagte Termine, geschlossene Bibliotheken sowie ausbleibende Kinderbetreuung erschweren die Examens-Vorbereitung.  Sie versuchten es mit einem offenen Brief an das Kultusministerium. Das Ziel der Prüflinge sei es, die Wahl zwischen einer individuellen Notenzusammensetzung durch bisherige Leistungen und der freiwilligen Entscheidung zum Ablegen zu haben. Die Forderung haben bereits über 800  Studierende unterschrieben und auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. (BLLV) unterstützt die StudentInnen bei ihrem Anliegen.

 

Inhalte des Offenen Briefes:

„Die Prüfungen des 1. Staatsexamen hätten Anfang April bis auf mündliche und praktische Prüfungen bereits abgeschlossen sein sollen. Am 18.3. wurden die Prüflinge informiert, dass alle Prüfungen bis auf Weiteres ausgesetzt sind, mit dem Hinweis die Vorbereitungen weiter fortzusetzen. Am 29.4. erhielten wir nach 6 Wochen bangen die Auskunft, dass die Prüfungen ab dem 18.5. in Form einer Stundung der ursprünglichen Prüfungen weitergeführt werden. Ein Staatsexamen (beispielsweise 6 Prüfungen von bis zu 5 Stunden) hat normalerweise eine Vorbereitungszeit von mindestens einem Semester (6 Monaten) auf einen festen Zeitpunkt. Dieser fixe Zeitpunkt dient als mentales und emotionales Ziel…“

Kultusministerium äußert sich spät

Ganze sechs Wochen herrschte, nach der Absage der Prüfungen von Seiten des Kultusministeriums, Stille. Das befeuerte die Unsicherheit bei vielen Prüflingen, dazu kamen alltägliche Ängste in der Corona-Zeit. Nach einer Woche kommt die Antwort des Kultusministers per Pressemitteilung: Michael Piazolo gesteht den Prüfungsteilnehmern einen sogenannten Freiversuch zu, also eine zusätzliche Möglichkeit, die Prüfung zu wiederholen, sollte man durchfallen.

Die StudentInnen fordern ein Allgemeines Bestehen

Für die Initiatoren des Offenen Briefes ist das nicht genug. Dies sei zwar ein Entgegenkommen, aber helfe in der aktuellen Situation nicht weiter, sagt Jonas Schreiber, Initiator des offenen Briefes in einem Interview. Der Wunsche sei stattdessen, dass alle Prüflinge in diesem Jahr sicher das Referendariat antreten dürfen, egal wie sie in den Prüfungen abschneiden. 

Die Message endete emotional:

„Wir sind die Lehrerinnen und Lehrer der Zukunft. Die Situation ist für alle schwer. Sie muss aber nicht noch unnötig schwerer gemacht werden. #dontforgetyourfutureteachers.“

Ob ein Sicheres Bestehen der Examen für die Studierenden tatsächlich auch den Schülerinnen und Schülern in den Klassenzimmern zugutekommt, bleibt offen. Was bei allem für viele aber deutlich wird: Die Ausnahmesituation der Prüflinge in der Corona-Krise lässt viele alten Vorschriften und das „was schon immer so gemacht wurde“ überdenken.